Tango Kolumne
Partnertausch

 

EINBLICKE IN DIE TANGOSZENE: Teil 35 DER REIHE VON LEA MARTIN

Wenn das Leben Tango mit Dir tanzt

„Und jetzt gehen alle Folgenden einen Tanzpartner weiter.“ Anfangs, wenn diese Aufforderung kam, habe ich mich taub gestellt. Nur kein Blickkontakt mit dem strengen Lehrpersonal, das fand: „Ihr müsst mit allen tanzen können.“ Ich reagierte trotzig, denn müssen muss ich: Geld verdienen, sterben, das Übliche eben. Tango gehört sicher nicht dazu. Hier will ich mich frei fühlen. Also war ich so frei, auf Partnertausch zu verzichten, jedenfalls solange ich den weltbesten Tanzpartner hatte und wir keine drei Minuten voneinander lassen wollten.

Partnertausch kann eine Horizonterweiterung sein. Die Führenden testen, ob ihre Führung auch bei anderen gelingt oder die eigene Partnerin nur folgt, weil sie nett ist. Und die Folgenden spüren, dass die Impulse jedes Führenden sich anders anfühlen. Manche Milongas werben sogar mit Tausch-Tandas, wo die Paare nach jeweils drei Tänzen neu gemischt werden. Am Partnertausch scheiden sich die Geister. Die einen frohlocken, für die anderen ist es ein Graus. Mich erinnert der Begriff an den RLT-Frauentausch und die Strenge, mit der das Tauschen gelegentlich gepredigt wird, an ein religiöses Bedürfnis, das ich nicht teile. Am Ende mit jedem tanzen zu können, ist nicht mein Ziel.

Es gibt kaum Menschen, mit denen ich auf der Tanzfläche wirklich harmoniere, und sehr viele andere, mit denen die Kommunikation schwierig ist oder nicht klappt. Und vermutlich nie klappen wird. Egal wie oft getauscht wird. Ein bisschen ist das vielleicht wie in der Liebe. Die einen schwören darauf, man müsse sich ausprobieren und vieles erlebt haben, bevor man sich bindet. Die anderen verlieben sich ein einziges Mal und bleiben dabei. In einem Menschen, heißt es, liebt man die ganze Welt. Warum soll das nicht auch für Tango gelten?! Wer sagt, dass man (ich) am Ende mit allen tanzen können muss?! Und wer, dass ich das nicht genau dadurch lerne, dass ich intensiv mit einem übe...?!

„Und jetzt wieder zurück zum Heimat-Partner“. Erleichterung. Freude. Man erlebt den anderen neu. Nicht unbedingt besser. Aber anders. Partnertausch bedeutet Vergleich. Das kann entspannen. Oder belasten. Partnertausch heißt neue Erfahrungen sammeln. Mit anderen Männern, anderen Frauen, die anders führen (und folgen). Partnertausch sollte ein Angebot sein, kein Muss. Und wird nur durch eine Herausforderung noch getoppt: Rollentausch. Aber das ist ein neues, ein Kapitel für sich. 

 

 

"Partnertausch" aus „Tango Dreams“

 

Alle Rechte (Text) bei Lea Martin, Berlin 2017
Foto: tangokultur.info

 

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