Tango Kolumne
Lehrer-Hopping

 

EINBLICKE IN DIE TANGOSZENE: Teil 49 DER REIHE VON LEA MARTIN

Tangokolumne: Lehrer-Hopping

Hopping hat keinen guten Ruf, nicht nur im Gesundheitswesen. Patienten, die eine Zweitmeinung wollen, sind anstrengender als diejenigen, die ihrem Arzt blind vertrauen. Wie ist das beim Tango? Sind wir besser bei nur einem Lehrer aufgehoben? Oder kommt weiter, wer möglichst viele Tanzschulen besucht? Heute Mala Junta, morgen Tango Berlin, übermorgen ART. 13. Die Fluktuation von Schülerinnen und Schülern ist nicht messbar, aber fühlbar. Wohl die meisten probieren verschiedene Tanzschulen aus.

 

Von meinem ersten Tangolehrerpaar war ich begeistert wie eine Erstklässlerin in der Grundschule. Sie lehrten die Kunst ohne Berührung zu führen und konnten wunderbar philosophieren. Bei ihnen lernte ich auf die Schwingungen meines eigenen und des Körpers meines Tanzpartners zu achten. Beim ersten Ocho (= getanzte Acht) jedoch war schon Schluss. Ich bekam ihn nicht hin, trotz aller Philosophie. Hier half ein anderes Lehrerpaar weiter. Die Tanzlehrerin hielt meine Rippen, meine Hüften in ihren Händen, führte praktisch vor, was Torsion (=spiralige Verschraubung) des Körpers bedeutet. Sie ermunterte uns, aus der Vielfalt der Lehrmeinungen auszuwählen, was zu uns passt. Noch niemandem hat geschadet, verschiedene Meinungen zu einem Thema zu hören. Verschiedene Tanz- und Unterrichtsstile zu erleben erweitert den Horizont. Was Hopping erschwert ist eine enge Lehrer-Schüler-Beziehung, in der man sich auch mal reibt. Manchmal hoppt man - Berlin macht‘s möglich - vielleicht zu schnell. Einmal war ich so verärgert über einen Lehrer, von dem ich mir abgekanzelt und vorgeführt vorkam, dass ich zur nächsten Stunde nur erschien, um meinem Tanzpartner zu sagen, dass ich aufhören würde. In dieser Stunde war der Tanzlehrer freundlich und zugewandt. Offenbar hatte er letztes Mal nur einen schlechten Tag. Die korrigierende Erfahrung hätte ich mir verbaut, wäre ich weggeblieben.

 

Lehrer/innen erfahren nicht, warum ihre Schüler/innen nicht mehr erscheinen. Wir kehren ihnen den Rücken zu, ohne uns zu erklären. Waren die Klassen zu voll oder das Pensum zu anspruchsvoll? Fühlten wir uns unter- oder überfordert? Die Macht der Schüler/innen liegt in der Pendel- und Abschieds-Bewegung: weg von einem, hin zum nächsten Unterricht. Dabei wäre für manche Tango-Tanzschule vielleicht interessant zu erfahren, wo Schüler/innen ihre Vorzüge oder auch Verbesserungspotential sehen. Hopping mit Feedback wäre eine Option.

 

 

"Lehrer-Hopping" aus „Tango Dreams“

 

Alle Rechte (Text) bei Lea Martin, Berlin 2018
Foto: tangokultur.info

 

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